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Wiedervereinigung? Stunde der Wahrheit für Zypern

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Politik

"Jetzt ist der Moment der Wahrheit", so hat der UN-Zypern-Beauftragte Espen Barth Eide den Beginn der Verhandlungen zur Wiedervereinigung der seit 1974 geteilten Insel bezeichnet. Einige Kommentatoren sehen gute Chancen für eine Lösung der Zypern-Frage. Andere meinen, dass es noch zu früh für eine Überwindung der Teilung ist.

Die Presse: Erfolg würde allen Seiten nutzen; Österreich

Erfolgreiche Zypernverhandlungen würden allen Seiten nutzen, meint Die Presse: „Mit einer Einigung kann der international ins Wanken geratene Präsident Recep Tayyip Erdoğan diplomatische Kompromissbereitschaft demonstrieren. Außerdem ist die Erhaltung Nordzyperns eine finanzielle Bürde für die Türkei: Im vergangenen Jahrzehnt sind rund drei Milliarden Euro aus Ankara in den international nicht anerkannten Inselnorden geflossen. Obama ist nur mehr einige Tage im Amt. Wenn er seinen Posten mit einer zypriotischen Friedenslösung verlässt, dann wird das lang nachhallen. Ähnliches gilt für UN-Generalsekretär António Guterres: gerade einmal ein paar Tage im Amt - und schon ein historischer Erfolg. Großbritannien, neben der Türkei und Griechenland die dritte Schutzmacht auf der Insel, könnte angesichts der Brexit-Querelen auch ein paar positive Schlagzeilen gebrauchen. Ein Problem weniger hätte auch das wirtschaftlich und innenpolitisch hadernde Griechenland.“ (10. Januar 2017)

Stuttgarter Zeitung: Zu viele Fragen sind noch offen; Deutschland

Es ist naiv zu glauben, dass die Zypern-Gespräche diesmal erfolgreich sein werden, meint die Stuttgarter Zeitung, sind doch zu viele Dinge noch nicht entschieden: „So ist der Grenzverlauf zwischen den beiden möglichen Teilrepubliken des vereinten Zyperns noch nicht diskutiert worden. Davon hängt ab, wie viele Menschen vielleicht umgesiedelt werden. Auch die Vermögensfrage ist offen. Wem gehört ein Haus, das ein türkischer Zyprer auf dem Grundstück eines 1974 geflohenen griechischen Zyprers gebaut hat? Niemand kann zudem den Preis für die Wiedervereinigung benennen - und wer das alles bezahlen soll. Außerdem wollen fast alle Menschen im türkischen Teil, dass die Türkei als Schutzmacht weiter Soldaten auf der Insel stationiert. Aber fast alle im griechischen Teil sind dagegen. Schließlich muss auch der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan dem Deal zustimmen. Es wäre ein Wunder, wenn er das täte, hat der Nationalist doch unlängst sogar Anspruch auf einige griechische Inseln in der Ägäis erhoben.“ (10. Januar 2017)

To Vima Online: Nikosia sollte auf bessere Bedingungen warten; Griechenland

Dass die Regierung Zyperns noch vor dem Regierungswechsel in den USA zu einer Einigung kommen will, ist die falsche Taktik, kritisiert To Vima: „Nikosia drängt unverständlicherweise auf eine 'Lösung', bevor im US-Außenministerium ein Mann an die Macht kommt, der im Ölgeschäft aktiv war und in ein Grundstück im Meer in der Republik Zypern investiert hat - in der Republik, die heute existiert, und nicht in einer anderen Republik, die vielleicht in der Zukunft gebildet wird. Und dies, während die Beziehungen zwischen der Türkei und den USA gerade erst begonnen haben, wirklich schwierig zu sein. Der neue US-Präsident hat nichts darüber gesagt, aber es gibt viele Anzeichen, dass die Beziehungen noch schlechter werden. Doch trotz allem drängt die zyprische Regierung ungeheuer auf eine 'Lösung', die nicht einmal den sofortigen Rückzug der türkischen Besatzungstruppen beinhaltet.“ (10. Januar 2017)

T24: Zyperntürken gieren nach Wohlstand; Türkei

Den türkischen Zyprern fiel nach 1974 der ertragreichste Teil der Insel zu, doch durch ihren Fleiß stehen die Zyprer im Süden nun wesentlich besser da, meint T24: „Die Griechen wurden wie die Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg durch ihre harte Arbeit reich. Die Türken waren durch das Vermögen, das die Fliehenden zurückgelassen hatten und durch das von der Türkei gesandte Geld gesättigt und blieben wie schon vor 1974 hinter den Griechen zurück. Zypern ist das beste Labor der Welt, um zu untersuchen, warum die Christen sich weiterentwickeln und die Muslime zurückbleiben. Das ist der Grund, warum sie bezüglich einer Lösung und einer Wiedervereinigung der Insel eilfertig sind. Sie glauben, dass der Fortschritt der Anderen auch sie erfasst. Doch wenn die Insel wiedervereint würde, würden die Türken nicht das Niveau der Griechen erreichen. Denn Wohlstand ist eine Sache von Organisation und Verstand.“ (10. Januar 2017)

Kurier: Neustart für EU und Türkei möglich; Österreich

Die womöglich entscheidende Verhandlungsrunde um die Einigung Zyperns könnte das Verhältnis von EU und Türkei grundlegend verändern, glaubt der Kurier: „Die Türkei ist bei den Zypern-Gesprächen der Schlüsselspieler. Und sie spielte in jüngerer Vergangenheit trotz des autoritären und repressiven Kurses der Erdoğan-Führung erstaunlich konstruktiv mit. Ankara hat viel zu gewinnen: Bisher hat die türkische Regierung die Republik Zypern nicht anerkannt. Bei Kursänderung und einer Zypern-Einigung aber würden für die Türkei automatisch weitere Kapitel bei den Gesprächen für einen Beitritt zur EU aufgehen - darunter etwa: Warenverkehr oder Zollunion. Und dann wird man sich in Brüssel entscheiden müssen: Wie Österreichs Kanzler Kern und Außenminister Kurz ein Einfrieren der Beitrittsverhandlungen fordern - und damit die Zypern-Einigung riskieren? Oder verhandeln - und über die menschenrechtsverachtenden Vorgänge in der Türkei hinwegsehen?“ (9. Januar 2017)

Kıbrıs: Pessimismus bringt uns nicht weiter; Zypern

Schon vor Beginn der neuen Zypern-Konferenz und der Veröffentlichung des Textes eines Abkommens wird auf zyperntürkischer Seite völlig unnötig Schwarzmalerei betrieben, klagt Kolumnist Ali Baturay in der nordzyprischen Tageszeitung Kıbrıs: „Als ob ein Text entstanden wäre, der das Ende der Zyperntürken bedeuten würde, als ob man uns insbesondere bezüglich der griechischen Bevölkerung betrogen hätte und Zypern mit der Zeit vollkommen griechisch werden würde, und wir als Volk vollkommen ausgelöscht werden würden. Untergangsszenarien machen wieder die Runde. Noch gibt es keine Einigung aber viel Angst. Ich verstehe die Ängste, diese Gesellschaft hat schlimme Zeiten erlebt. Aber erst einmal sollte es ein Abkommen geben, sollten wir den Einigungstext lesen, uns den Fahrplan ansehen und dann schauen und entscheiden wir gemeinsam, ob wir Bosnien, Palästina oder einem anderen Ort ähneln wollen. Und dann können wir das Abkommen auch ablehnen. Ich will eine Lösung, die ein Leben in Würde ermöglicht, mit der ich Weltbürger sein kann und dass internationales Recht in dieses Land kommt.“ (9. Januar 2017)

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