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Wahlen in Tunesien 2011: Die Geburtsstunde der Demokratie

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Politik

Es gibt einen großen Unterschied zwischen Instinkt und Projekt. Der Instinkt war vor neun Monaten spürbar, als ein ganzes Land sich gegen ein unstetes und veraltetes System auflehnte, um einen Frühling einzuberufen. Das Projekt aber startet erst am morgigen 23. Oktober, wenn Tunesien - neun Monate nach dem Sturz von Ben Ali - kurz davor steht, seinen ersten demokratischen Test mit der Wahl der Verfassunggebenden Versammlung zu bestehen. Zwischen Instinkt und Projekt liegen also genau neun Monate. Eine Zeit der Geburtsvorbereitungen, des Reifeprozesses, des Gebärens - der Demokratie! Der argentinische Fotograf Ezequiel Sacgnetti war vor Ort und veranschaulicht die Aufregung und Spannungen zwischen Religiösen und Demokratieanwärtern kurz vor einem großen Wahlmoment

Wahlbeteiligung per Comic!

Der Karikaturist Nidal Garyani zeichnet, um Menschen zum Wählen zu bewegen. Ein Gruppe von Cartoonisten wurde während der Revolution von der Instance Supérieure Indépendante pour les Eléctions (ISIE – „hohe unabhängige Instanz für die Wahlen“) eingeladen, um an einer Mauer zu arbeiten, die zu mehr Wahlbeteiligung auffordern soll.

   (Foto : ©Ezequiel Scagnetti)

Zwischenspiel

Monia Ayari, Mitglied der Gruppe « Le pôle moderne démocratique » (Moderner demokratischer Pol) verteilt Flyer und die Leitlinien ihrer Partei.

 (Foto : ©Ezequiel Scagnetti)

Der Wind hebt sich

"Entschuldigung, hier soll es eine Demo gegen Islamisten geben…", frage ich unschuldig, in der linken Hand mein Sandwich und mit zwei Fotoapparaten um den Hals. « Die Demo richtet sich nicht gegen diese Bewegung, wir sind für den Frieden, für Meinungsfreiheit und einen laizistischen Staat", hebt Mohammed Slim, ein 22-jähriger Student der Politikwissenschaften, hervor.

  (Foto :©Ezequiel Scagnetti)

Meinungsfreiheit macht Kampagne

Am 16. Oktober, also eine Woche vor den Wahlen, hat ein Straßenzug in Tunis, im Rahmen einer "Generalprobe" der Wahlen, stattgefunden. Die Autoritäten versichern einen "guten Verlauf". Eine der wichtigsten Herausforderungen: die Meinungsfreiheit.

  (Foto: ©Ezequiel Scagnetti)

Laizismus? Das ist hier die Frage...

Die Wochen vor den Wahlen waren von einer gewissen Aufregung geprägt: So gab es eine Demo gegen den TV-Sender Nessma, der von Salafisten angegriffen wurde, nachdem der Film Persepolis der Iranerin Marjane Satrapi und des Franzosen Vincent Paronnaud ausgestrahlt worden war.

  (Foto: ©Ezequiel Scagnetti)

« Allah akbar ! »

« Allah akbar ! » schreit ein Anhänger von Ennhadha (die islamistische Partei) inmitten einer staunenden Menge. Eine Sekunde später liegt er am Boden und es hämmern Schläge. Zwei Sekunden später kommen Polizisten in Zivil dazu, die ihn mit Hilfe von etwas toleranteren Demonstranten in Gehorsam nehmen und ihn in "die guten Hände" der Polizei von Tunis übergeben, die ihn weit weg mitnehmen… weit weit weg. "Im heutigen Tunesien muss man seine Seite wählen, es herrscht Krieg. "Wir oder die", sagt mir ein Mädchen, die knapp über 20 ist, mit Videokamera, Zigarette im Mundwinkel und weit hoch gehobener Faust.

 (Foto: ©Ezequiel Scagnetti)

Kaft der Jugend

Die Tatsache, dass junge Leute sich dermaßen in dem neuen Demokratieprozess engagieren, unterstreicht auf welche moderne Art und Weise diese Wahlen abgehalten werden sollen. Es waren mehrheitlich junge Menschen, die "Zaba" (Spitzname von Ben-Ali) gestürzt haben, nun gilt es ein Land wieder aufzubauen, das einen der stärksten Bevölkerungsanteile junger Menschen zählt.

  (Foto: ©Ezequiel Scagnetti)

Che Guevara vs. Ben Ali

Die Einflüsse haben sich wahrlich verändert. Seit dem Arabischen Frühling sieht man auf Mauern eher das Porträt von Che Guevera als das von Ben Ali. Daran mag man erkennen, dass die Demonstranten die Säkularisierung Ihres Landes festigen wollen.

 (Foto: ©Ezequiel Scagnetti)

Die Revolte ist weiblich

Im Straßenzug sind viele Frauen anwesend. Der Beweis einer neuen Offenheit? 

  (Foto: ©Ezequiel Scagnetti)

Eine Anekdote: Ein Taxifahrer aus Brüssel würde gerne in sein Land zurück. Seit der Machtübernahme von Ben Ali im Jahr 1987, wurde er von dort sozusagen vertrieben. Seit die Trabelsis (die Gattin des ehemaligen Alleinherrschers Zine el Abidine Ben Ali Leila Trabelsi und ihr Familienclan) weg sind, ist der Weg frei. "Damals musste man sich mit den Trabelsis arrangieren, egal um welche Art von Geschäft es sich handelte. Jetzt gibt es den freien Markt, den wahren! Aber Vorsicht, niemand wird einen einzigen Dinar investieren, solange keine Regierung gebildet wurde. Alles steht und fällt mit den Wahlen der Verfassunggebenden Versammlung. Sollten die Islamisten gewinnen..."

 (Foto: ©Ezequiel Scagnetti)

Sich einbringen

Wahlplakate schmücken alle Hauswände in Tunis. Die Wahlen am 23. Oktober sind ein wahres demokratisches Richtmaß, sie sind für viele auch eine unerhoffte Möglichkeit sich in der Politik einzubringen. Bis heute wurden mehr als hundert Parteien registriert. 

  (Foto: ©Ezequiel Scagnetti)

Stunde der Wahl

Viele Fragen, die vor neun Monaten aufgeworfen wurden, sind immer noch nicht beantwortet worden. Auch wenn der Augenblick zu Euphorie verleitet, wundern sich viele über die Zeit nach den Wahlen. Denn die Blicke gehen bereits Richtung 2012. Im nächsten Jahr werden mehrere Persönlichkeiten ihren Auftritt haben, wenn es um die Herausforderung des Zusammenhalts geht, um die Wahl des Präsidenten.

  (Foto: ©Ezequiel Scagnetti)

Probe auf's Exempel

Da viel auf dem Spiel steht, wurde am 16. Oktober eine große Generalprobe abgehalten, um sich zu vergewissern, dass die demokratische Übung reibungslos abläuft. Neben hunderten von Freiwilligen, die in den Prozess eingebunden sind, haben die Polizei und Armee den Ablauf des Probewahlgangs überwacht

  (Foto: ©Ezequiel Scagnetti)

Un homme un doigt

Um Wahlmanipulation zu vermeiden, werden die Wähler einen Finger in unlöschbare Tinte tunken müssen. Diese Methode der "demokratischen Transparenz" wurde im Rahmen der Parlamentswahlen in Afghanistan am 18. September 2011 benutzt.

  (Foto: ©Ezequiel Scagnetti)

Affluence

Auch wenn es nur eine Wahlsimulation war, die Bürgerteilnahme zeugt bereits von einer hohen Beteiligung.

(Foto: ©Ezequiel Scagnetti)

Translated from Les élections tunisiennes : après 9 mois, l’accouchement

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