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Redeye: Paris-Texas, Version Folk…

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Translation by:

Annika Schlüter

BrunchKulturPolitik

Redeye, eine Stimme, die nach Staub, Cowboyhüten und Whisky klingt. Das neue Projekt von Guillaume Fresneau ist eine Roadtrip-Platte mit 5 Songs. Dennoch mag der Künstler keine Umwege: Er macht amerikanischen Folk. In einem Café empfängt er – in seine Gegend entführt er.

Er trägt blaue Cowboy- Stiefel, hat feines Haar und ein angenehmes Lächeln. Guillaume Fresneau ist amerikanisch-französischer Staatsangehörigkeit. Die letzte Frage des Interviews wäre fast in sein Privatleben abgeglitten. Redeye ist ihr jedoch mit einem verzerrten Grinsen aus dem Weg gegangen. Redeye - das sind die Nachtflüge, bei denen man sich spät in den Flieger setzt und im Morgengrauen ankommt. Dennoch hat Redeye keine roten Augen. Trotz seines Ausweichmanövers hat er durchaus vor, von sich zu reden. Denn sein Nachtflug, sein Projekt und sein alltägliches Bestreben durchziehen sehr wohl sein Leben.

„Eigentlich ist alles nach und nach gekommen“

„Bei Country war ich recht skeptisch. Dann bin ich wieder drauf zurückgekommen. Wenn man einmal von der Kitsch-Stroh-Cowboyhut Seite absieht, findet man schöne Sachen.“

"Ich lebe meine doppelte Staatsangehörigkeit so gut ich kann. Das ist wichtig, sie ist ein Teil von mir,  etwas, das ich auf ewig behalten werde. Sie ermöglicht es mir Brücken zu bauen, verschiedene Einflüsse zu verinnerlichen, dorthin zurückzukehren.“ Dorthin, das ist Texas. Der Künstler lebte von seinem fünften bis elften Lebensjahr in Texas, als sein Vater, Musikfreak, Chuck Berry- und Fats Domino-Fan, entscheidet, sich im Süden der Vereinigten Staaten niederzulassen. Klar, wenn man amerikanischen Folk macht, dann sind regionale Einflüsse vorprogrammiert. „Ich kenne Texas wie meine Westentasche, aber es gibt Dinge, die ich nicht auf Anhieb verstanden habe. Bei Country-Musik war ich erst recht skeptisch. Dann bin ich wieder darauf zurückgekommen. Wenn man einmal von der Kitsch-Stroh-Cowboyhut Seite absieht, findet man schöne Sachen. Da gibt es diese Doku, Heartworn Hightways, in der Männer Hüte tragen, selbst gedrehte Kippen rauchen und Whisky trinken, aber danach wunderschöne Musik machen.“

„Eigentlich ist alles nach und nach gekommen“. Redeye hat lange gebraucht, um über seine musikalische Vergangenheit nachzudenken. Der Künstler hat erst relativ spät losgelegt: „Die Zeit Songtexte zu schreiben, neue Projekte zu entwerfen, sich Leitlinien auszudenken, haben die Aufnahme der EP bis zum Januar 2011 hinausgezögert.“ Redeye hat sich nicht getäuscht. Die 5 Songs kommen tatsächlich wie eine „Wiedergeburt“ daher.

Musikalische Wiederauferstehung

„Ich hatte Lust ein wenig egoistisch zu sein. Und ich kann versichern, dass es einfacher ist seine Unversehrtheit zu bewahren, wenn man unabhängig ist."Um die Wette der musikalischen Wiederauferstehung zu gewinnen, reicht es die Abschnitte des Lebens, welche er bis dahin hinter sich gelassen hat, zu verfolgen. Beginnend mit der Sprache: „Im Französischen ist alles eine Sinn- Sache. Es ist eine sehr literarische Sprache mit sehr viel Intellekt. Man ist also weniger spontan, weniger fließend. Das Englische hat diese unmittelbare und instinktive Seite, sodass du einfach Lust hast dich zu äußern. Das Englische wirft weniger Fragen auf und ich wollte das Nachdenken vermeiden. Nicht um das Projekt uninteressant zu machen, sondern um ans Eingemachte zu gehen.“ Wo viele Künstler versuchen sich für einen Moment zu vergessen, hat Redeye entschlossen sich wiederzufinden, um sich besser zu definieren. Beginnend mit dem Abstand zu seiner vorherigen Band - Dahlia: „Mit Dahlia haben wir mehr Rock gemacht. Außerdem wollte ich zu einer gewissen Einfachheit zurückfinden. Ich wollte einen Song schreiben, ihn aufnehmen und ihn anschließend in einem Café bei mir um die Ecke spielen. Bei Dahlia mussten immer alle Mitglieder der Band einverstanden sein. Ich war wirklich auf der Suche nach einem „Do it Yourself “ Ding.“ Um sich in der Dunkelheit eines Nachtfluges wiederzufinden, muss man auf die Suche nach sich selbst gehen. Allein.  Deine Suche nach Unabhängigkeit löst sich im Musikgeschäft auf, zumal man Dir jeden Tag Meinungen reindrückt. Ich bin zufrieden mit dem was ich tue, ich meine es ernst. Und ich hätte Schwierigkeiten etwas anderes zu tun.“

Von Elliott Smith zu Eddie Vedder

Unterwegs nach Oregon/USA mit RedeyeAnsonsten nimmt Redeye uns ganz einfach mit auf seine Reise. Die regelmäßigen Trips nach Amerika bilden den Subtext der 5 Folksongs der Platte Be the one. „Derjenige sein“ ist so etwas wie die Selbstfindungsreise einer Person, die ihren bisherigen Lebensweg rückwärts verfolgt und deren Spuren sich in den Noten oder Saiten von Guillaume wiederfinden. 

Auch wenn sein Name in der Pressemappe mit denen von Elliott Smith und Jeff Buckley assoziiert wird, sind es die Balladen von Eddie Vedder, der den Soundtrack zu Into the wild gemacht hat, die Redeye am nächsten kommen. „Ich verstehe Musik als Hintergrundmusik von Reisen“. Das ist selbstverständlich lieber Freund. Die Stücke erinnern an Pinienwälder in jungfräulicher Natur, gleich neben einem Bach, in dem sich das Sonnenlicht spiegelt, geblendet von Blättern. Ach Mist! Das ist das Album-Cover. Ein Foto, aufgenommen vom Künstler selbst „auf einer Reise in die Vereinigten Staaten, in den Oregon (Staat im Nord-Westen der Vereinigten Staaten)“. Ja, denn Redeye ist zusätzlich auch noch Fotograf, Grafiker und Maler. Wenn er sich mal ein wenig vergisst. Dann nimmt er seine Gitarre und sammelt die musikalischen Einflüsse ein, die ihm auf der staubigen Erde von Whisky trinkenden Cowboys eingeflößt wurden. Und genau die machen gute Musik: amerikanischen Folk.

Oh! Ich vergaß. Redeye hat blaue Augen und schlägt euch diese exklusive Playlist vor

The head and the heart – Lost in my mind Alexi Murdoch – At your door

The Black Angels – Bad vibrations

Cults – You know what i mean

The Horrors – Sea within a sea

Dieser Artikel wurde in musikalischer Begleitung der EP Be the one von Redeye verfasst. Im Repeat-Modus. Fünf Mal.

Fotos : Titelbild und im Text© Caroline Ruffault ; Video, Redeyewithatube/Youtube und cargovideo/Youtube

Story by

Matthieu Amaré

Je viens du sud de la France. J'aime les traditions. Mon père a été traumatisé par Séville 82 contre les Allemands au foot. J'ai du mal avec les Anglais au rugby. J'adore le jambon-beurre. Je n'ai jamais fait Erasmus. Autant vous dire que c'était mal barré. Et pourtant, je suis rédacteur en chef du meilleur magazine sur l'Europe du monde.

Translated from Redeye : Paris-Texas, version folk…