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Meet My Hood: Montesacro, Rom

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Zum am nordöstlichen Rand gelegenen Municipio III der italienischen Hauptstadt gehört auch Montesacro: Ein Viertel, dessen Bewohner die Ärmel hochkrempeln und in gemeinschaftlichen Initiativen gegen den Verfall kämpfen.

Es lässt sich nicht bestreiten, dass Rom jeden Tag ein wenig zu sterben scheint. In der Ewigen Stadt türmen sich die Müllberge, es regiert der Zement und kulturelle Initiativen sind häufig nur Eintagsfliegen; kein Wunder, dass Touristen die Nase rümpfen und Einheimische Fluchtpläne schmieden. Einige Viertel jedoch lehnen sich gegen diesen Verfall auf und setzen sich für Erneuerung ein. Wie? Die Bürger tun sich zusammen und ändern kleine Dinge, um die Lebensqualität zu verbessern: Eine sauberere Straße, ein wiederbelebter sozialer Treffpunkt oder Ideen für eine gemeinsame Gestaltung des Sonntagnachmittags können Roms Schönheit in einem neuen Licht erstrahlen lassen. Ein konkretes Beispiel für ein Viertel, dessen Bewohner sich Räume neu aneignen, ist Monte Sacro. Seine Straßen vermitteln den Eindruck, sich in einem Dorf zu befinden, in dem jeder jeden kennt und die Menschen einander helfen.

Dort, wo der Fluss Aniene die Via Nomentana kreuzt, entstand in den 20er-Jahren die sogenannte "Gartenstadt", ein Traum für die des Chaos der Innenstadt überdrüssige Mittelschicht. Heute ist Monte Sacro von stark bebauten Vierteln umgeben, hat sich jedoch seinen ganz eigenen Charme und dank Fluss und Park auch ein besonderes Mikroklima bewahrt. Den Eingang in die Gartenstadt bildet hinter der Brücke der Via Nomentana die Piazza Sempione mit ihren neo-mittelalterlichen Fassaden. "Hier halten die öffentlichen Verkehrsmittel, hier treffen sich die jungen Leute, hier befindet sich der Platz des Municipio, aber vor allem ist hier das Zentrum, um das sich das ganze Viertel dreht", erklärt Claudia, 26 Jahre alt, die vor einigen Monaten beschlossen hat, in Monte Sacro zu leben.

Hinter der Piazza Sempione beginnt ein Labyrinth aus gewundenen Straßen; Treppen und Treppchen führen hinauf und hinunter zu Einfamilienhäusern, niedrigen Mietshäusern und zum Park. Dort, im Parco Nomentano, findet jedes Jahr Anfang Juli das IFest statt, ein Indie-Festival für Musik und Texte, das Studenten nach Monte Sacro pilgern lässt.

Noch vor einigen Jahren grenzte die Ruhe des Viertels an Langeweile, aber in letzter Zeit sind zu den Leuchtreklamen des Angolo Russo - eines geschichsträchtigen Lokals, in dem sich Nachtschwärmer stärken können - auf dem Platz und in der Nähe weitere Bars und Restaurants hinzugekommen. Da wäre zum Beispiel die Freiluftkneipe Ponte Tazio, die eine interessante Musikauswahl und Aperitifs bis tief in die Nacht bietet. Ein Besuch ist Pflicht! Doch um einem Stadtgebiet Leben einzuhauchen, reichen Bars natürlich nicht aus.

Sprechen wir also von den gemeinschaftlichen Initiativen, die dem Viertel ein neues Gesicht verliehen haben. Es waren einmal ein Viadukt, ein Markt und eine Schule... Nein, so fängt kein Witz an, sondern die positive Geschichte des Municipio III. Dank des Einsatzes aktiver Bürger, die sich selbst als "Eingeborene der Gartenstadt" bezeichnen, und der Finanzierung durch das europäische Projekt Tutur (Temporary use as a tool for urban regeneration) haben drei leerstehende Bereiche jetzt eine Art Wiedergeburt erfahren: Das Viadotto dei Presidenti, der Markt im Viale Adriatico und die Schule an der Piazza Montebaldo waren allesamt nicht ausgelastet und sind nun zu Kulturstandorten des Viertels am Stadtrand geworden.

Die neue Nutzung städtischer Räume wird nicht nur in der Architektur, sondern auch in der Sozialpolitik auf Stadtteilebene immer wichtiger: Durch gemeinsames Putzen und Planen wird der Gemeinschaftsgeist der Bürger gestärkt. Im Rahmen der Umgestaltung von Viadukt, Markt und Schule haben sich alle die Hände schmutzig gemacht - junge Architekten, Inhaber von Geschäften, Großeltern mit ihren Enkelkindern, Lehrkräfte sowie Mitglieder der Kommunalverwaltung. Mit Besen und Pinseln in den Händen haben alle dazu beigetragen, die Räume einladender zu gestalten.

Am Viadukt hatte auch das Netzwerk rete "G124" Interesse gezeigt, eine Gruppe von jungen Architekten, Schüler von Renzo Piano, wodurch die Medien auf das Projekt aufmerksam wurden. Ihre Arbeit ist jedoch nur eine Ergänzung des vor Ort bereits Vorhandenen, d. h. des Einsatzes von Vereinen, kleinen Unternehmen und Familien.

"Heute ist das Viadukt ein farbenfroher Raum mit einem Fußboden aus recyceltem Holz", erzählt Federico, ein Architekt der Gruppe G124, "hier finden unter anderem Ausstellungen und Konzerte statt. Der Fahrradweg über das Viadukt befindet sich dagegen noch im Bau. Der Gedanke war, eine Leerstelle in der Stadt zu nutzen, um eine 'grüne' Verbindung zwischen den Vierteln zu schaffen, gerade zwischen den am stärksten bebauten. Die Verbindung soll aber auch auf sozialer und kultureller Ebene entstehen, im Zentrum der Entscheidungen sollen die Bürger stehen."

Das Viertel steht historisch rechts und eine Einbeziehung dieses Randgebiets in eine partizipative Stadtplanung war bisher nicht leicht. Die Begeisterung über die Aufwertung ungenutzter Räume war jedoch groß genug, um diese Schranke niederzureißen. Das Viadukt ist auf diese Weise zu einem neuen Platz im Viertel geworden, der Markt ist nun auch nachmittags geöffnet und das Untergeschoss der Schule wird dauerhaft ein Theater beherbergen.

Bringt einen Pinsel, einen Besen oder eine Idee für eine Veranstaltung mit und schon könnt auch ihr zur Verschönerung von Monte Sacro beitragen. Die alkoholische Belohnung wird gemeinsam mit anderen Mitstreitern in einer der zahlreichen Freiluftkneipen eingenommen!

Die Nachbarn

Die Preise

Die Köpfe

Was man in Montesacro nicht verpassen sollte

Wochenmarkt: Viale Adriatico

Viadotto dei Presidenti: Viadotto Gronchi

Theater: Schule an der Piazza Montebaldo

Chiosco Ponte Tazio: Piazza Sempione C1B0

Comò Bistrot: Viale Gottardo 95

Enoteca 19: Piazzale Adriatico 19

Zio Frank: Viale Gargano 6

Malto matto: Piazza Menenio Agrippa 13

Enoteca Pallotti: Piazza Menenio Agrippa 9

Hostaria Menenio Agrippa: Via Nomentano Dolmen, Via Conca d’Oro 44

Sessantotto: Via di Monte Sacro 4

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Dieser Artikel ist Teil der cafébabel-Serie Meet My Hood zu euren Vierteln in europäischen Metropolen. Hier mitmachen, wenn ihr eure Hood vorstellen wollt.

Translated from Meet My Hood: Montesacro, Roma

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