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Wieder Wehrpflicht in Litauen: Zum Heulen

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RawVilniusFoto

Vor wenigen Monaten hat die litauische Regierung wieder Männer zum Wehrdienst einberufen. Die litauische Fotografin Neringa Rekašiūtė zeigt auf ihren Fotos, dass auch Jungs in Uniform nicht immer harte Kerle sein müssen. Besonders wenn ihr Leben von heute auf morgen eine Wende nimmt.

Im Zuge der Ukraine-Krise hat das litauische Parlament im März 2015 darüber abgestimmt, die Wehrpflicht für Männer zwischen 19-26 Jahre vorübergehend wieder einzuführen. Und das, obwohl das Land im Baltikum den Wehrdienst 2008 erst abgeschafft hatte. 

Auch wenn es Ausnahmen, zum Beispiel für Studenten oder Single-Väter geben wird, sollen jährlich 3000 bis 3500 junge Männer für die Soldatenausbildung eingezogen werden. Fehlender Enthusiasmus und die Kritik an der Entscheidung der Regierung, wieder aufzurüsten, handelt den Verneinern Kommentare wie „unmännlich“, „Angsthasen“ oder „Verräter" ein.

Neringa Rekašiūtė hat 14 junge Männer zwischen 17 und 28 Jahren mit verschiedensten Hintergründen in ihrem Projekt zusammengebracht, um dem „undankbaren“ Haufen ein Gesicht zu geben. Die junge Fotografin, die in Vilnius und London arbeitet, ließ die Jungs weinend in Uniform posieren. Da Männer im Militär traditionell dominant, angsteinflößend und kalt porträtiert werden, antwortet Rekašiūtė auf das Klischee des kaltbütigen Soldaten mit einer Serie berührender Nahaufnahmen. 

Kritiker des Projekts, das sich, so die Fotografin, nicht nur mit der wiedereingeführten Wehrpflicht, sondern auch mit den sozialen Ansprüchen an die Männlichkeit auseinandersetzen soll, bringen ein, dass man den ‚Zivildienst‘ ja auch in anderen Institutionen außerhalb des Militärs absolvieren könne.

“Die Armee macht keinen Mann aus dir – wenn du ein Idiot bist, bleibst du auch ein Idiot.” (Vytautas, 27 Jahre)

Edvinas, 17 Jahre, denkt über das Konzept Freiheit nach: "Kann man den Willen eines Mannes einsperren und das dann freie Wahl nennen?” Justas, 18 Jahre, ist auf der gleichen Wellenlänge: “Wahre Stärke besteht darin, deinen eigenen Verstand auszubilden. Lasst uns stark sein.”  Auch Denisas, 23 Jahre, fühlt kein Pflichtbewusstsein: “In der heutigen freien Gesellschaft, gibt es keinen Platz für ‚Einberufungen‘. Verpflichtende Dinge sollte man vorher selbst frei wählen können.“

Martynas, 22 Jahre, zufolge sei der Zwang etwas zu tun wirklich das unmännlichste, was er sich vorstellen kann: „Es ist männlich für sich selbst zu entscheiden“.

“Die Zeiten, in denen Männer Büffel töten und nach Hause schleppen mussten, sind doch längst vorbei. Ich denke, die Armee ist generell gesehen nicht unbedingt etwas Schlechtes. Aber die Wehrpflicht kann wirklich nicht die Lösung sein. Besonders, wenn sie so urplötzlich von der Regierung ausgerufen wird, ohne öffentliche Debatte und Meinungen. Ein neues System muss doch zunächst auch als solches eingeführt werden, Schüler sollten in der Schule zunächst erfahren, dass sie auch eingezogen werden können, man sollte mit dieser Idee schon aufwachsen.“ (Danas, 28 Jahre)

Der 18-jährige Vytenis kann sich zwar vorstellen zum Militär zu gehen, unterstreicht aber trotzdem: “Eine Freundin, die freiwillig zur Armee gegangen ist, hat mich inspiriert.” „Eine Waffe in der Hand macht dich noch lang nicht zum Mann“, wirft Jaunius, ebenfalls 18, ein.

"Als ich noch in der Schule war, wurde die Wehrpflicht abgeschafft. Das hat mich damals sehr glücklich gemacht. Aber wenn ich aus heutiger Perspektive zurückschaue, stelle ich fest, dass es wohl besser gewesen wäre, den Wehrdienst damals zu absolvieren. Nicht jetzt, wo ich gerade meine eigene Agentur gegründet habe und auch Leute beschäftige – dafür muss ich vor Ort sein“, sagt Mindaugas, 25 Jahre.

"Sollte ich einberufen werden, würde ich versuchen, einen Weg zu finden, den Wehrdienst nicht machen zu müssen. Ich habe eine Frau und Familie steht für mich an erster Stelle. Wir haben so viel zusammen auf die Beine gestellt, das möchte ich jetzt nicht aufs Spiel setzen.“

Mehr von Neringa Rekašiūtė http://neringark.com/

Translated from Uomini in guerra: le lacrime dei militari della Lituania