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Rassist, wer ich?

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Turm zu BabelGesellschaftLifestyle

Es ist oft nur eine schmale Gratwanderung zwischen Stammtischwitz und rassistischer Entgleisung. Zu Zeiten, in denen die Ablehnung des Anderen - des Sündenbocks - in allen vier Ecken des Kontinents immer lauter wird, kann eine Übung in europäischer Selbstkritik nicht schaden. Denn selbst unter Europäern ist der tägliche Rassismus gang und gäbe.

In Bezug auf Rumänen oder Albaner haben die Europäer in der Umgangssprache eine gewisse Sturheit gemeinsam, eben einen Sündenbock. Bei den Italienern sagt man über jemanden, der schlecht angezogen ist oder - um es deutlich zu sagen - wie ein Penner aussieht, er "sei Albaner" (sei un albanese) oder "sehe aus wie ein Albaner" (sembri un albanese). Ähnlich klingt es in Spanien, nur, dass hier bei ungepflegtem Auftreten die Rumänen für das Klischee herhalten müssen: tienes más mala pinta que un rumano ("Du hast ja noch eine schlimmere Miene als ein Rumäne"). Auch in Polen kommen die Rumänen mit der Beleidigung "Du bist doch ein echter Rumäne" (co za Rumun) schlecht weg.

Das Problem ist, dass die Europäer die Dinge gerne vermischen. So wird nicht immer zwischen Rumänen und Zigeunern unterschieden. In Frankreich ist man sich nicht sicher, ob es nun die Rumänen oder Zigeuner sind, die in dem schlechten Ruf stehen Parkuhren zu stehlen. In Italien bedeutet sei uno zingaro ("Du bist ein Zigeuner") und sei un albanese ("Du bist ein Albaner") das Gleiche - namentlich Schmutzfinken!

Aber woher kommen diese sprachlichen Gewohnheiten, die allen Europäern gemeinsam sind? Für die rumänische Hackergruppe, die sich selbst 'Rumänische Nationalsicherheit' nennt und Seiten des Daily Telegraph und der französischen Tageszeitung Le Monde lahmlegte, sind es die Medien, die Rumänen mit Zigeunern gleichstellen (und damit auch mit Bettlern und Diebstahl). So haben die Hacker die Begrüßungsseite von Planète plus intelligente, einer Werbebeilage der Monde, und von wine-and-dine.telegraph.co.uk und shortbreaks.telegraph.co.uk, zwei Unterseiten der britischen Nachrichtenseite, durch eine rumänische Flagge ersetzt, gefolgt von einem Text der mit viel Nachdruck deutlich macht, dass wir in Europa zu oft Zigeuner denken, wenn wir Rumäne sagen.

Aber seid beruhigt, liebe Freunde aus Rumänien, die ihr das lest, auch die Anderen bekommen in diesem Walzer des tagtäglichen Rassismus ihr Fett weg: Udawać Greka ("vorgeben, Grieche zu sein") bedeutet bei den Polen vorzugeben von etwas nichts zu wissen, obwohl man genau Bescheid weiß. Die Griechen, die für die Franzosen allesamt homosexuell sind (und wenn Du das noch nicht wusstest- va te faire voir chez les grecs - "dann hau doch zu den Griechen ab"!), essen den Deutschen zufolge viel Knoblauch, denn die Griechen, die riechen. Aus dem Mund eines Spaniers bedeutet pareces griega ("Du siehst griechisch aus"), dass man schlecht rasiert ist.

Anscheinend verbindet die Europäer vor allem die Notwendigkeit einer langen Gruppentherapiesitzung, um die Ursprünge dieses alltäglichen Rassismus zu erfahren, der um jede Ecke lauert.

Translated from Raciste, moi ? Racisme ordinaire contre les voisins européens