Gaza-Krieg, Extremismus und die fehlende Debatte
Published on
Im „Komplizen des Terrors“ betitelten Artikel geht es darum, das Verhältnis der deutschen Linken zum Protest gegen die israelische Operation in Gaza zu erläutern.
Ein Brief zweier außenpolitischer Sprecher der Linkspartei an den israelischen Botschafter in Deutschland wurde zitiert; die Politiker bezeichneten den israelischen Waffengang als „unmenschlich“ und „durch kein Recht auf Selbstverteidigung oder Notwehr legitimiert“. Eine Behauptung, die zur Empörung des Botschafters und zur Forderung einer Erklärung des Fraktionsvorsitzenden der Partei führte. Nach dem klärenden Gespräch wurde das Problem erledigt, in dem man sich einigte, dass der Brief nun aus der Welt sei. Der Journalist behauptete dabei, dass mit solchen „anti-israelischen Auftritten, Papieren und Wortmeldungen“ „antisemitische Ressentiments“ geschürt wurden. Anschließend berichtet der Spiegel, dass bei einer Solidaritätsdemonstration in Berlin, auf der “Tod Israel“ und „Holocaust in Gaza“ gerufen wurde, die Fahne der Linkspartei flatterte.
Im Laufe der drei Wochen des Gaza-Kriegs habe ich mich wegen der in den Medien herrschenden Debatte dauernd unwohl gefühlt. Dieses Gefühl lag im wesentlich darin, dass ich keine richtige Debatte zum Nahostkonflikt mitbekommen habe und anscheinend überhaupt stattgefunden hat. Mir wurde es erst heute frappierend klar, als ich einen Artikel in der aktuellen Ausgabe des Spiegels las.
von Sergio Marx
Dazu folgendes: Es scheint zunächst ziemlich klar, dass der Verfasser des Artikels nie an einer Demonstration aktiv teilgenommen hat. Wenn man eine Demo organisiert, kann man leider nicht alles kontrollieren. Was kann man gegen eine Minderheit unternehmen, die bewusst die Veranstaltung benutzt, um ihre eigene Ziele durchzuführen und eigene Botschaften zu vermitteln? Man sollte sich bewusst machen, dass diese unannehmbaren Äußerungen die Tat einer Minderheit ist und versuchen zu verstehen was die Mehrheit der Demonstranten vermitteln wollte. Hier scheint sich ein stets vorkommender Ansatz der Mediengestalter in Gang zu setzen. Anstatt den von fast 30 Vereinen (darunter jüdischen Vereinen) unterschriebenen Aufruf zur Demonstration zu erwähnen, entscheidet sich der Journalist nur die inakzeptablen radikalen Parolen einer Minderheit als Stimmung der Kundgebung darzustellen. Dadurch wird der Eindruck vermittelt, dass die Gesamtheit der Leute auf die Straße gegangen ist, um die Zerstörung Israels zu fordern. Der als Flugblatt im Laufe der Demonstration verteilte Aufruf forderte das Ende des Krieges, des Massakers und einen gerechten Frieden im Nahen Osten. Anschließend ist die Forderung an die Bundesregierung zu lesen sich für die UN-Sicherheitsratsresolution 1860 einzusetzen. Wenn der Journalist annimmt, dass durch die Stellungnahmen der außenpolitischen Sprecher der Linken, die vergleichbar zum Demoaufruf sind, antisemitischen Ressentiment geschürt werden, wurde auf die Möglichkeit einer Debatte einfach verzichtet.